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Infos zu den CONSOL-Projektionen: NATURTHEATER CONSOL
EXTRASCHICHT 25.06.2016

MWE - Büro für Projektionen
MWE – Büro für Projektionen

Die Inszenierung für das CONSOL-Gelände
erstreckt sich auf einem begehbaren Parcours von über 1000 qm in einer aufsteigenden Kurve über insgesamt 4 große und hohe Gebäude. 200 qm projizierte Fläche, das ist ziemlich theatralisch – wie ein Drama in vier Akten oder wie ein großes Bühnenbild – und verrät deutlich meine Herkunft vom Theater. Das ist aber auch (in bewusster + gewollter Nachbarschaft zu einer Sportveranstaltung) für das Publikum sehr unterhaltsam und abwechslungsreich; und dieses Konzept (Sport plus Kunst) würden wir gerne zu einem Festival ausbauen: Die Inszenierung
ganzer postindustrieller Gebäudekomplexe zu einem großen begehbaren ästhetischen Schauspiel, dazu Urban Sports und Volksfest. Für solche XXXL-Formate in der Projektionskunst ist das Ruhrgebiet prädestiniert, hier kann sich diese noch junge Kunstform frei entwickeln und entfalten. „Kommt von hier. Geht nur hier. Made in Ruhrgebiet.“

NATURTHEATER CONSOL (1)
Die Projektionen im einzelnen

1. Die WOLKENBURG-Porträts
2005 nominiert als künstlerische Botschafter der Bewerbung des Ruhrgebiets zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010
Kurator Georg W. Költzsch (†)
Videoporträts/Projektionen, (unvollendet), Entstehung 2004-05, Idee + Konzept: MWErdmann, Kamera, Schnitt, Postproduction: Thomas Aufhauser/Mike Führer
Der ursprüngliche Moderator dieser Bewerbung war der damals schon schwer kranke deutsche Kunsthistoriker und Museumsleiter G.W. Költzsch. Von 1988 bis 2002 war er Direktor des Museums Folkwang in Essen. Wichtige Ausstellungen: „Vincent van Gogh und die Moderne“ (1990) und „Edward Hopper und die Fotografie“ (1992). Seine letzte Aufgabe war die Moderation und Ideengebung zur Bewerbung der Ruhrregion als Kulturhauptstadt Europas 2010 im Auftrag des Regionalverbandes Ruhr (RVR). Wir waren mitten in den Vorbereitungen zu einer ersten Ausstellung der Projektionen in der Ständigen Vertretung des Landes NRW in Berlin als Költzsch am 2.2.2005 starb. Der Nachfolger war an der
Fortführung dieser Arbeit nicht interessiert, das Werk blieb Torso.
VIDEO heißt ICH SEHE.
Im Zentrum dieser Arbeit steht das menschliche Porträt. Ich mache Bilder von Menschen. Diese Bilder entstehen im Gespräch. Im Gespräch erscheint auf den Gesichtern, was wir seit tausenden Jahren die Seele/Anima/Psyche nennen; menschlicher Geist als Physiognomie und geistig-natürliche Landschaft. Meine Arbeit beruht auf der Gültigkeit des Konzepts „Seele“ als einer Art biologischer Utopie und auf dem Ideal des gegenseitigen Respekts. Die Porträts sind eine Hommage an die Menschen des Ruhrgebiets, zugleich an den wunderbaren Fotografen und Menschenbildner August Sander.

2. TIMEWAR
Entstehung Februar 2005, Idee + Konzept: MWErdmann, Kamera, Schnitt: Thomas Aufhauser/Mike Führer
Von TIMEWAR gibt es mehrere Versionen. Die bei der EXTRASCHICHT ’16 gezeigte Variante entstand nach einer Tanz-Performance im Essener GOP-Varieté-Theater im Februar 2005. Die Performance fand auf der Bühne des Theaters statt. Für das Theater hatten wir zuvor als
Auftragsarbeit das Video CINEMAGIE gedreht, das als Installation etwa zwei Monate lang im Foyer lief. Ausschnitte aus dem CINEMAGIE-Material haben wir auf die Bühne projiziert, die Tänzerin bewegte sich also mitten in dieser Projektion. Das wurde dann abgefilmt und alle diese verschiedenen Schichten noch einmal über- bzw. ineinander montiert.
Diese Layer-Technik aus digitalem und analogem Material, dieses Switchen zwischen analoger und digitaler Welt führt zu sehr dichten visuellen Kompositionen. Für mich ist das eine Form der Malerei.

3. CONSOLIDATION
Entstehung Juni 2016, Idee + Konzept: MWErdmann, Schnitt: Mike Führer
Bild_ConsolidationEine für den Ankaß gebaute neue Arbeit – eine minimalistische Meditation über Technik, Fortschritt und Faschismus – entstand auf der
Basis von historischem Material. Es ist meine erste Zusammenarbeit mit dem Kameramann und Cutter Mike
Führer. Die CONSOLIDATION war eine amerikanische Lokomotive, die weltweit im Bergbau und bei Schwer- und anderen Transporten eingesetzt wurde. Lok, Location und Logistik. Für mich steht dieses monströse Fahrzeug wie auch der ganze Ort mit dieser brutal abgerissenen Hängebank stellvertretend für das Schicksal des Ruhrgebiets. Als hätte man symbolisch hier den Körper der Geschichte und der Menschen dieser Region in Stücke gebrochen und ausgestellt.

4. SCHALKE ULTRA – Erzähl noch mal
Buchstäblich in letzter Minute bekamen wir dann über SCHALKE 04 doch noch einen von den Ultras produzierten Film über die Geschichte des Vereins, die ja mit Ort und Stadtteil eng verbunden ist. Wir haben mit wenigen artifiziellen Eingriffen das Stück in die Gesamtinszenierung eingepaßt und ihm ein surrealistisches Arbeitshabit angezogen, damit es auf unserer Übertage-Baustelle nicht aus dem Rahmen fällt. Das war jetzt das erstemal, daß ich mich künstlerisch/bildnerisch damit auseinander-setzen konnte. Hat eine Menge Erinnerungen geweckt: Helden der Kindheit. Helden der Heimat.
Über weitere Zusammenarbeiten mit den Ultras und dem Verein SCHALKE 04 würde ich mich sehr freuen.

VITA: Michael Walter Erdmann
geboren 4. Oktober 1953 in Bottrop
Abitur in Bad Godesberg
60er/70er: Erste Hörspiele und Theaterinszenierungen, Journalismus bei Harry Pross,
Studium in Bonn und Berlin: Deutsche Literatur, Philosophie, Theaterwissenschaften
Redakteur/Theaterkritiker bei THEATER HEUTE
ab 80er: Mit Heiner Müller und B.K. Tragelehn ans Bochumer Schauspielhaus, danach Theaterarbeiten am Staatstheater München, Bonn, Moers, Düsseldorf, Marseille, Frankfurt (Dramaturgie, Übersetzung, Komposition, Bühnenbild, Regie)
Radio: Hörspiele, Feature, Kultur-, Musik- und Theaterkritik, Rezensionen, Porträts
90er: Künstlerische Leitung des Internationalen Samuel Beckett Symposions (ISBS e.V.), Düsseldorf-Paris-Dublin; Kurator der Ausstellung UM ABERMALS ZU ENDEN – TO END YET AGAIN – POUR FINIR ENCORE; Reiseberichte: USA, Afrika
Seit 2003: Entwürfe zu interaktiven/rekursiven Videoinstallationen, Videokunstfilme, Ausstellungen + Projektionen im Öffentlichen Raum, Rauminstallationen mit Projektionen, Musik/Sound und Performance

Zollverein Essen: Die Kabakov-Projektionen
Zollverein Essen: Die Kabakov-Projektionen

Seit 2004: Atelier für Kunst im Öffentlichen Raum in Essen: TOTER ARM -GEMARKENMUSEUM / Entwicklung von Projektionstechniken (Freies Kaskadieren, fraktale Projektion, storytelling, patchwork…) / NORDSCREEN (VideoParadiso), künstlerisch-wirtschaftliches Konzept für einen Interaktiven Urban Screen im Essener Kreuzeskirchviertel (2005/06) / Texte und Konzepte: Kunst + Öffentlicher Raum, Projektionen/Licht als Kunst am Bau, Digitalisierung der urbanen Polis, Kunst + Tourismus, Interaktive/ Rekursive Urban Screens (IUS)
Studien zur Philosophie und Anthropologie der Digitalität (s. „Basistext Digitalität“ auf DerErdmann.blogspot.de)
2005: Nominierung der WOLKENBURG-Porträts (mobile Groß-Projektionen) zu künstlerischen Botschaftern des Ruhrgebiets als Europäische Kulturhauptstadt
2010: Partitur FROM THE HEART (60.000 Menschen machen Kunst in der Cloud) für das Dortmunder Borussiastadion (MultiMedia-Installation für Interaktive Urban Screens + 300 Monitore)

VideoParadiso (Fotomontage): Nordscreen, Essen-Kreuzeskirchviertel (2005)
VideoParadiso (Fotomontage): Nordscreen, Essen-Kreuzeskirchviertel (2005)

2012: MY ZEN KITCHEN: 365 Tage+Bilder, I-COMIC. Selbstporträts (Handyfotografie)
2013: VideoParadiso – 80 Interaktive Urban Screens (IUS) für die 53 Kommunen des Ruhrgebiets; Urban-Screen-Projekt, Entwurf eines 4.400 Quadratkilometer großen internationalen digitalen Heimatmuseums.
2013: Gründung BÜRO FÜR PROJEKTIONEN (Atelier Ruhrgebiet): Konzepte für stationäre, temporäre und mobile Großprojektionen

 

Literatur u.a.:
# https://www.lettre.de/beitrag/erdmann-michael-walter_ruhrgebiet-inszenieren
# DerErdmann.blogspot.de (Texte zum Ruhrgebiet, über Digitalisierung, Prosa, Gedichte, Fotos)
# auf FACEBOOK: Michael-Walter Erdmann
# www.mwe.ruhr
# www.videoparadiso.de

 

(1)
Der Titel erinnert vorsätzlich an Kafkas Fragment vom Naturtheater von Oklahoma. Am liebsten würde ich, der Verschollene, im ganzen Ruhrgebiet die nämlichen Schilder aufhängen und einladen: »Auf dem Rennplatz in Clayton wird heute von sechs Uhr früh bis Mitternacht Personal für das Theater in Oklahoma aufgenommen! Das große Theater von Oklahoma ruft euch! Es ruft nur heute, nur einmal! Wer jetzt die Gelegenheit versäumt, versäumt sie für immer! Wer an seine Zukunft denkt, gehört zu uns! Jeder ist willkommen! Wer Künstler werden will, melde sich! Wir sind das Theater, das jeden brauchen kann, jeden an seinem Ort!
Wer sich für uns entschieden hat, den beglückwünschen wir gleich hier! Aber beeilt euch, damit ihr bis Mitternacht vorgelassen werdet! Um zwölf Uhr wird alles geschlossen und nicht mehr geöffnet! Verflucht sei, wer uns nicht glaubt! Auf nach Clayton!«